| »Flock«
nie gehört, was ist
denn das überhaupt?
Jeder kommt fast täglich mit beflockten
Produkten in Berührung und merkt es dabei meist gar nicht
Plettenberg (sr).
»Flock« -was ist das eigentlich? Mit dem Begriff können
viele Leute eigentlich nicht viel anfangen, obwohl fast jeder täglich mit
Flock in Berührung kommt. Die Rede ist nicht von den
netten gelben Kartoffelpüree-Flocken oder gar von Schneeflocken. Gemeint
ist die Veredelung, Verschönerung und Aufwertung von Gegenständen des
täglichen Lebens durch das Auftragen von Kunst- oder Naturfasern. Hierzu
wird auf das Trägermaterial Klebstoff vollflächig oder im Dessin
aufgetragen. In einem elektrischen Feld schießt der Flock
senkrecht zur Oberfläche ein. Nach dem Trocknen und Fixieren ist der
Flock fest mit dem Trägermaterial verbunden. Je nach
Anforderung ist beflocktes Material wasch-, reinigungs-, und extrem
abriebbeständig.
Ein Blick in die Fensterschachtleiste im
eigenen Wagen reicht, um Flock im Einsatz zu sehen. Die
weiche Oberfläche, die die Scheibe in ihrer Bahn hält, ist nicht etwa aus
Samt, auch wenn sie sich so anfühlt, sondern aus beflockten
Elastomeren.
Auch in Plettenberg ist die Flockindustrie zu
Hause. Die Firma PFT Flock-Technik beflockt die
verschiedensten Produkte. Neben kleinen Tiernasen für Plüsch-Teddys und
Autotür-Dichtungen für Ferraris, werden genausogut Tausende von
Schraubenköpfen mit dem samtweichen Überzug beflockt.

Schraubenkopf
- Flock für farbliche und optische Anpassung,
Befestigung textiler Beläge
In den USA, dem Vorreiterland der Flocktechnik,
kennt heutzutage jedes Kind Flock. Seit über 40
Jahren ist Gerd P.Bauer im Flockgeschäft und ist selbst immer noch fasziniert von
der nach seinen Worten grenzenlosen Anwendungspallette von
Flock. Viele Produkte wären ohne den Einsatz von
Flock gar nicht herzustellen oder würden immense Kosten
verursachen, wenn ein anderer Bezug genommen werden würde.
So werden heutzutage Sitzgruppen in
Möbelhäusern angeboten, die erst beim genauen Studieren des Etiketts als
mit Flock bezogen entlarvt werden können. Und dabei ist
ein Flock-Sofa keinesfalls schlechter als eines, das mit
Naturfasern bezogen wurde. Die Unempfindlichkeit der synthetischen Fasern
ist ein großer Vorteil gegenüber den
natürlichen samtweichen Stoffen. Viele Autositze sind z.B. mit Textilien
aus beflockten Garnen, oder vollflächig beflockt bezogen. Und hatte
man in den Siebziger Jahren noch das
Problem, daß die Farben der Autopolster im Sonnenlicht ausbleichten, hat
man heutzutage Farbstoffe, die selbst nach
1000 Stunden in der Mittagssonne am Äquator nicht ihren Farbton
verändern. |

Fensterschachtabdeckleisten -
Flock reinigt, schützt vor Kratzern,
verhindert anfrieren etc... |
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Lenkradhülle
- Flock isoliert gegen Kälte und Wärme,
nimmt Feuchtigkeit auf, angenehmer
Griff.
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Ein Kritikpunkt, der ab und zu in den Medien
aufgebauscht wird, ist, daß die kleinen Fasern, die beim Flockverfahren
aufgetragen werden, Atemwegserkrankungen hervorrufen würden. „Alles
Quatsch", meint Fachmann Gerd P.Bauer. „Es ist wissenschaftlich bewiesen, daß die
Fasern, die Erkrankungen der Atemwege hervorrufen können, deutlich kleiner
sein müssen. Die kürzesten Fasern in der Flocktechnik sind circa 0,5
Millimeter lang. Mikrofasern, die Krankheiten hervorrufen können, müssen
um einiges kleiner sein."
Die Geschichte des Flock läßt
sich bis weit ins Altertum zurückverfolgen. Bereits vor 3000 Jahren
entwickelten die Chinesen die Urform der Beflockung. Als Klebstoff für die
Textilstücke verwendeten sie Harzleim, auf den sie anschließend
Naturfasern streuten. Heutzutage sind der Beflockung kaum mehr Grenzen
gesetzt. Unabhängig davon, ob der Untergrund aus Metall, Holz, Keramik,
Textilien, Papier oder synthetischen Werkstoffen besteht. Es gibt dazu den
speziellen Klebstoff und den passenden Flock.
Mit der heutigen filigranen Technik kann man
dieses Verfahren natürlich nicht vergleichen. Kleinste Produkte, wie zum
Beispiel der Vollbart des legendären »Big Jim« von Mattel konnten schon
vor einigen Jahren punktgenau beflockt werden. Heute ist man soweit, daß
man selbst feine Schriftzüge auf T-Shirts oder Baseballkappen sauber mit
Flock herstellen kann.
Egal, ob es der Innenbezug des Schmuckkästchens
oder der Teppich im Wohnzimmer ist, mit Flock kommt jeder
fast jeden Tag in Berührung. Und in manchen Bereichen des Lebens ist die
Flocktechnik gar nicht mehr wegzudenken. Wenn man schon auf die Trikots
der Fußballprofis schaut, erkennt man oft, daß Sammer, Effe und Co. ihren
Namen und ihre Nummer auf dem Trikot per Flocktechnik mitsichtragen. Und
auch der Sofabezug, auf dem man sitzt, während am Fernseher Fußball läuft,
ist möglicherweise aus beflocktem Textil. Flock, wo man
auch hinschaut, man sieht Flock -wenn man es
weiß. |